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  © TU Berlin, tubIT, Bearbeiter: Frank Ziemann  -  Update: 02.12.2012 | Kurz-URL
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erstellt: Nov. 2000
Update: 02.12.2012

Extra-Blatt

Urban Legend: HIV-Infektion in der Disco

...wahlweise auch im Kino, Theater, etc.

Es kursieren Kettenbrief-artige Falschmeldungen, in denen behauptet wird, man würde in Discotheken unbemerkt mit Nadeln gestochen, die mit HIV (AIDS-Viren) präpariert seien. Dann bekäme man einen Zettel auf den Rücken geklebt, auf denen "Willkommen im Club" stünde.
Im November 2000 bezog sich der Kettenbrief auf München und es wurden einige Discotheken namentlich genannt, in denen das bereits vorgekommen sein soll.
Im März 2002 grassierte diese Falschmeldung in Österreich, besonders betroffen waren Discotheken der 'Nachtschicht'-Kette, die dadurch (wie andere Discotheken auch) massive Einnahmeverluste erlitten. Es soll in Österreich sogar einen Fall gegeben haben, indem jemand durch diese Falschmeldungen dazu 'inspiriert' worden sein soll eine Discotheken-Besucherin mit einer (wahrscheinlich nicht HIV-infizierten) Nadel zu stechen, siehe ext. LinkOÖNachrichten vom 14.03.2002.

Im Juli 2003 ist erstmals eine Schweizer Variante aufgetaucht, die von HIV-infizierten Nadeln in Kinositzen erzählt. Auch Geldautomaten sollen angeblich mit solchen Nadeln präpariert sein. Die Baseler Polizei wird z.T. als Quelle genannt.
Eine identische Variante kursiert wenig später auch in Österreich, es fehlt z.T. aber der Bezug zum Ort (Lausanne, Schweiz), wo sich das angeblich ereignet haben soll. Teilweise werden die WIENER LINIEN (Verkehrsbetrieb) als angebliche Informationsquelle genannt.
Seit November 2003 kursiert eine praktisch damit identische Variante, nur wird nunmehr Köln als Ort des angeblichen 'Geschehens' genannt. Diese Kölner Variante wird Jahre später, im Herbst 2007, erneut massiv verbreitet. Offenbar haben u.a. auch eine ganze Reihe von PolizistInnen durch ihre Weiterleitung dazu beigetragen.
Im Dezember 2007 kursiert in Österreich neben der Kölner Variante eine textlich geringfügige Abwandlung, in der Wien als angeblicher Tatort genannt wird. Angebliche Quelle ist die O.Ö. Gebietskrankenkasse, die jedoch bereits eine gegenteilige Stellungnahme veröffentlicht hat.
Seit November 2012 kursiert, wiederum zunächst in Österreich, eine Fassung der Warnung vor HIV-Nadeln in Kinositzen, die durch einen Polizisten und die Aufmachung als quasi-amtliches Dokument ("LKA Öffentlichkeitsarbeit") aufgewertet wurde. Als angebliche Quelle wird weiterhin die O.Ö. Gebietskrankenkasse genannt.

  [Originaltexte]

Fakt ist...
dass es sich bei Gerüchten dieser Art um so genannte Urban Legends handelt, also sinngemäß Großstadtmärchen. Die Betonung liegt dabei auf Märchen!
Entgegen allen anderslautenden Behauptungen und (unreflektierten) Presse-/Medienberichten ist kein einziger Fall bekannt, der tatsächlich passiert und nachgewiesen ist. Verschonen Sie bitte die Polizei mit Anfragen dazu – die haben wirklich wichtigeres zu tun.

Aus medizinischer Sicht ist dazu zu sagen, dass HI-Viren außerhalb des menschlichen Körpers bzw. auf dem Trockenen nicht lange überleben können. Es ist also praktisch kaum möglich sich auf die angegebene Weise zu infizieren. Es müsste schon frisches, infiziertes Blut an solchen Nadeln kleben. Die gebrauchten Spritzbestecke von HIV-infizierten Drogenabhängigen (namentlich Heroin-Süchtigen) sind ein Beispiel dafür – von ihnen geht ein gewisse Ansteckungsgefahr aus, u.U. auch mehrere Tage lang.

Dieses Gerücht kursiert schon seit Jahren im Internet. Nur die Namen der Städte und Discotheken wechseln alle paar Monate. In des USA gibt es ähnliche Märchen, die von mit AIDS-Viren präparierten Nadeln handeln, die in den Telefonhörern öffentlicher Telefonzellen, Theatersitzen und Benzin-Zapfsäulen lauern sollen. Lesen Sie mehr dazu bei ext. LinkUrbanLegends.about.com.

Merke: Das Internet ist ein großartiges Informationsmedium – aber Sie sollten nicht alles glauben, was Sie irgendwo im Internet lesen. Das Internet ist die Tummelwiese für Verschwörungstheoretiker, Weltuntergangsprediger und sonstige Personen mit Pseudo-Paranoia und/oder überzogenem Sendungsbewusstsein. Verbreiten Sie derlei Unfug bitte nicht weiter!


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