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Extra-Blätter
  © TU Berlin, tubIT, Bearbeiter: Frank Ziemann  -  Update: 09.07.2012
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erstellt: 02/2007
Update: 09.07.2012

Extra-Blatt

Schlaganfallerkennung

Ein sinnvoller Kettenbrief?

Bereits seit einiger Zeit kursiert ein aus den USA herüber geschwappter Kettenbrief durch Mailboxen und Foren, der oft als „mal ein sinnvoller Kettenbrief“ apostrophiert wird. Darin wird zunächst eine das Gefühl ansprechende Geschichte einer Ingrid erzählt, die bei Grillen plötzlich umgefallen sei – Schlaganfall.

Artverwandtes
Selbsthilfe bei Herzinfarkt?
Oft im Doppelpack mit der nebenstehenden Mail kommt ein "Tipp", wie man sich durch Husten selbst helfen können soll, falls man gerade einen Herzinfarkt erleidet. Die beschriebene Methode ("Cough CPR") wird jedoch nur unter ärztlicher Aufsicht bei bestimmten Formen von Herzrhythmusstörungen eingesetzt.

Im Weiteren wird in diesem Kettenbrief behauptet, jeder medizinische Laie könne mit einem einfachen Test einen Schlaganfall erkennen. Eine Aufgabe, mit der sich viele Ärzte, auch Notärzte, viel zu oft schwer tun, weil sie auch nicht wissen, wie man einen Schlaganfall sicher erkennt.
Mail-Text

Der in der Mail beschriebene Test für Laien basiert ursprünglich auf einer 2003 veröffentlichten Studie von Amy Hurwitz et.al. (Universität North Carolina). Die American Stroke Association hat diese Studie zwar mit finanziert, distanziert sich allerdings von diesem Test und hat eigene Empfehlungen ausgesprochen

Ich bin kein Mediziner und werde deshalb hier keine medizinischen Ratschläge erteilen – und rate jedem anderen ebenfalls davon ab, der nicht vom Fach ist. Es geht um die Gesundheit oder gar das Leben von Menschen – diese Verantwortung sollte man nicht mit ungesundem Halbwissen auf die leichte Schulter nehmen.

Nur so viel: die in der Mail genannten Symptome können auf einen Schlaganfall hinweisen, es kann aber auch einer vorliegen, wenn keines der genannten Symptome festgestellt werden kann. Es gibt eine Reihe weiterer Symptome, die jedes für sich selten eindeutig sind.

Prof. Dr. Gerhard Hamann, Direktor der Neurologischen Klinik, HSK, Wiesbaden, meint dazu: „Das Wichtigste ist, dass man überhaupt an den Schlaganfall denkt, wenn man bei einem Menschen plötzliche neurologische Ausfälle beobachtet.“ Wichtig sei bei einem Verdacht, dass der Patient so schnell wie möglich in eine Spezialklinik ("Stroke Unit") gebracht werde. Daher solle man ohne Verzug die Notrufnummer 112 anrufen. „Zeit ist Hirn“ lautet die Regel – was bedeutet, dass eine unverzügliche, fachgerechte Diagnose und Behandlung für die Rettung und die spätere Lebensqualität des Patienten entscheidend ist.
Quelle: Das Gesundheitsgespräch, Bayrischer Rundfunk (2004; neuerer Beitrag, Dez. 2011)

Was jedoch eigentlich gegen eine Weiterleitung medizinischer "Ratschläge" aller Art spricht, ist der Umstand, dass kaum einer der Empfänger beurteilen kann, ob das jeweils gefährlicher Unfug ist, einfach nutzlos oder doch sinnvoll (deshalb lesen Sie ja vermutlich gerade diese Seite).

Dagegen spricht auch, dass man jeden der Empfänger –selbst diejenigen, die eine solche Mail wirklich gelesen haben– nach einer Woche oder einem Monat fragen kann, woran man einen Schlaganfall erkennt – er/sie wird es längst wieder vergessen haben. Oder schlimmer noch: es sind ein paar Brocken hängen gebleiben, die dann aus der Erinnerung falsch wieder zusammen gefügt werden. Damit ist niemandem geholfen – bestenfalls.

Auch eine ernst gemeinte E-Mail kann ein Hoax sein – nicht alle Hoaxes sind einfach nur Scherze. Ein Hoax ist eine Kettenbrief-artig verbreitete Falschmeldung – und auch wenn Teile davon richtig sind, sind es oft die falschen Anteile, die beim Leser hängen bleiben. Außerdem neigen Kettenbriefe zu einer Art Mutation: sie verändern sich im Laufe der Weiterleitungen, der Inhalt wird erweitert, gekürzt, geändert – bis zur Unkenntlichkeit.

Deshalb (und nicht, weil alles darin völlig falsch wäre) steht diese Mail als "Schlaganfallerkennung" in der Hoax-Liste.

ext. LinksMehr dazu:


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