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  © TU Berlin, tubIT, Bearbeiter: Frank Ziemann  -  Update: 09.11.2010 |   Kurz-URL
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erstellt: 11.11.2009
Update: 09.11.2010

Extra-Blatt

Die Schweinegrippe

Gerüchte, Mythen, Verschwörungstheorien

Hinweis
Diese Seite soll und kann nicht alle Fragen zum Thema Schweinegrippe klären, das kann zurzeit offenbar niemand. Vielmehr sollen Ihnen diese Informationen helfen die Plausibilität per E-Mail verbreiteter Behauptungen einzuschätzen.

Seit ein paar Wochen ist eine starke Zunahme der Zahl kursierender Kettenbriefe zu verzeichnen, die sich mit der so genannten "Schweinegrippe" (Neuer Influenza A/H1N1, Porzine Influenza, Neue Grippe, Mexikanische Grippe) befassen. Die Mails sind keineswegs alle mehr oder weniger identisch sondern bilden zumindest einen Teil des breiten existierenden Spektrums der Meinungen ab. Sie bilden namentlich den Teil des Meinungsspektrums ab, der vor der Impfung warnt – der andere Teil ist nicht vertreten. Das geht bis zu extremen Positionen, nach denen die Neue Grippe entweder ein Hoax sei („es gibt gar keine Viren“) oder die Virenstämme extra gezüchtet worden seien, um die Menschheit durch Zwangsimpfungen (mit dem Erreger, mit Nano-Chips, mit Giftcocktails) zu dezimieren oder gar auszurotten.

Warnhinweis
Besonders das Themengebiet Medizin und Gesundheit eignet sich ganz und gar nicht für Kettenbriefe. Seien Sie bei allem, das zu diesem Thema verbreitet wird, besonders skeptisch – und auch bei dem, was Sie hier, anderswo im Internet oder in den Medien lesen.

Insgesamt zeichnet die Flut der E-Mails, auch der hier eingehenden Anfragen dazu, ein Bild der großen Verunsicherung, die bei den Menschen herrscht. Soll man sich impfen lassen oder lieber nicht? Oder erstmal abwarten? Welche Nebenwirkungen hat der Impfstoff? Wie gefährlich ist die Neue Grippe? Was von dem, das in den Medien berichtet wird, stimmt wirklich? Warum streiten sogar die Experten? Fragen über Fragen – und keine klaren Antworten. Oder doch? Schaumermal...

Zunächst gilt es erst einmal fest zu halten, dass vieles von dem, das in den Kettenbrief-artig verbreiteten E-Mails behauptet wird, schlicht Unfug ist. Nicht alles – vieles. Manches ist sogar grober Unfug. Auch die Anhänger von Verschwörungstheorien haben ein neues Steckenpferd für sich entdeckt – die Schweinegrippe (vergleiche Vogelgrippe). Fangen wir mal ganz vorne an.

  • Grippe-Viren
    • Viren gibt es. Punkt. Man kann sie mit geeigneten Mikroskopen angucken, man kennt ihre Wirkungsweise. Kurz gesagt programmieren sie Körperzellen um, in dem sie ihr eigenes Erbgut einschleusen, sodass die Zellen dann Viren produzieren. Weil klassische Computer-Viren so ähnlich funktionieren, werden sie so genannt.
    • Eine echte Grippe (Influenza) wird durch Viren ausgelöst. Normale Grippe-ähnliche Infekte werden hingegen oft durch Bakterien verursacht. Nur gegen die helfen Antibiotika, nicht jedoch gegen Viren. Es gibt zudem eine ganze Reihe von vergleichsweise harmlosen Erkältungsviren. Eine typische Influenza verläuft nahezu schlagartig – Sie gehen abends scheinbar kerngesund ins Bett und wachen morgens mit hohem Fieber (> 38,5 °C) auf.
    • Der Name "Schweinegrippe" kommt tatsächlich daher, dass dieser Virenstamm (wie wohl auch die Spanische Grippe 1918/19) vorwiegend bei Schweinen zu finden war und ist.
    • Es sterben keineswegs jedes Jahr über 10.000 Menschen in Deutschland an der saisonalen Influenza. Die Zahl der nachweislich ursächlich an Influenza gestorbenen Personen ist um Größenordnungen geringer (vergleiche hierzu das Extra-Blatt zur Vogelgrippe).
    • Mit Stand 22.12.2009 sind in Deutschland 132 Personen an der Schweinegrippe gestorben. Bis zu diesem Datum wurden etwa 210.000 Infektionen mit "Neuer Influenza A/H1N1" gemeldet. Die Meldepflicht für Verdachtsfälle ist inzwischen aufgehoben worden, Todesfälle sind weiterhin meldepflichtig.
  • Impfstoff
    • Ein Mann, 55, der in Thüringen in der Nacht vom 12. auf den 13. November wenige Stunden nach der Impfung gegen die Neue Grippe verstarb, ist laut Obduktionsbericht vom 16.11. den Folgen eines erlittenen Herzinfarkts erlegen. Bislang gibt es aus ganz Europa noch keine bekannten Fälle, in denen Menschen an der Impfung gestorben sind.
    • Es gibt mehrere Impfstoffvarianten, die zurzeit eingesetzt werden. Das in Deutschland für die Allgemeinheit vorgesehene "Pandemrix" enthält Verstärkersubstanzen, "Celvapan" (für die Bundeswehr, Bundespolizei und einige Bundesbeamte) nicht. Celvapan enthält ein inaktiviertes Antigen des Grippevirus (Ganzvirus-Grippe-Impfstoff) und muss zweimal gegeben werden. Die Impfstoffe sind vor dem Einsatz getestet worden, allerdings nicht in der gleichen Weise und Intensität wie sonst üblich. Sie sind jedoch weitgehend identisch mit vielen anderen Grippeimpfstoffen aus früheren Jahren, abgesehen von der Erreger-spezifischen Komponente. Die Nebenwirkungen der anderen Bestandteile sind also durchaus lange bekannt.
    • Die Impfstoffe Pandemrix und Focetria enthalten keine kompletten ("lebenden") Influenza-Viren sondern nur Fragmente des H1N1-Virus, damit das Immunsystem Antikörper bilden kann. Man kann sich also bei einem frisch geimpften Menschen nicht anstecken (auch bei Celvapan nicht).
    • Der Impfstoff Celvapan enthält keine Wirkverstärker. Außer dem deaktivierten Antigen des Virus enthält es: Trometamol (Säurepuffer), Polysorbat 80 (Stabilisator), Kochsalz und Wasser.
    • Der Impfstoff Pandemrix enthält neben einem inaktiven Fragment des H1N1-Virus ein Adjuvans (Wirkverstärker) namens "AS03". Dieser enthält pro Dosis (0,5ml): Squalen (10,69 mg) sowie die Stabilisatoren DL-α-Tocopherol (11,86 mg) und Polysorbat 80 (4,86 mg).
    • Ferner in Pandemrix enthalten sind Octoxynol 10, Thiomersal, einige anorganische Natrium- und Kaliumsalze sowie destilliertes Wasser. Thiomersal ist eine schwefelhaltige organische Quecksilberverbindung und dient als Konservierungsmittel. Es kann Kontaktallergische Reaktionen an der Einstichstelle (bei bestehender Allergie) hervor rufen. Ein früher vermuteter Zusammenhang mit dem Auftreten von Autismus und anderen neurologischen Erkrankungen gilt heute als widerlegt. Giftig ist es jedoch – es soll ja Keime abtöten (Konservierungsmittel). Celvapan enthält kein Thiomersal.
    • Der Impfstoff Focetria enthält neben einem Virusfragment den Wirkverstärker "MF59C.1". Dieser enthält pro Dosis (0,5ml): Squalen (9,75 mg) sowie die Stabilisatoren Polysorbat 80 und Sorbitan-Trioleat (je 1,175 mg). Außerder enthält der Impfstoff das Konservierungsmittel Thiomersal (s.o.), einige anorganische Natrium- und Kaliumsalze, Zitronensäure sowie destilliertes Wasser.
    • Squalen kommt in vielen natürlichen Lebensmitteln (z.B. in Fisch- und Planzenölen) vor und wird auch im menschlichen Körper produziert. Aber ausgerechnet wenn es injiziert wird, ist es möglicherweise nicht mehr ganz so harmlos. Eine Studie aus dem Jahr 2000 in den USA hat bei Ratten, die für Arthritis empfänglich waren, nach Gabe einer Dosis Squalen eine rheumatoide Arthritis festgestellt. Studien, die dies am Menschen bestätigen würden, sind nicht bekannt.
    • Anders als in einem stark verbreiteten Kettenbrief (basierend auf einer Mail einer Frankfurter Ärztin) behauptet enthielt der im ersten Golfkrieg eingesetzte Impfstoff kein Squalen. Diese Impfung kann daher auch nicht die Ursache (oder mitverantwortlich) für das so genannte "Golfkriegssyndrom" gewesen sein. Besagte Ärztin hat dies inzwischen auf ihrer Website eingeräumt, hält jedoch Squalen weiterhin für eine mögliche Ursache des Golfskriegssyndroms.
    • Die Impfstoffe enthalten keine "Nano-Chips" - die gibt es nicht (es geht nicht um implantierbare RFID-Chips). Es ist auch nicht plausibel, was die da sollten, woher die ihre Energie beziehen oder wie man später an die angeblich darin gespeicherten Informationen kommen sollte. Nano-Chips oder -Partikel sind auch nicht (wie behauptet) kleiner als ein Atom – ein Haus kann nicht kleiner sein als einer der Steine, aus denen es gebaut ist.
  • ...
  • wird bei Bedarf fortgesetzt...
    Die Schweinegrippe-Pandemie ist inzwischen offiziell für beendet erklärt.
    Mal sehen, was als Nächstes kommt...
Weitere Informationen zur Schweinegrippe:

 


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